Fahrleitung und Signale2018-10-16T18:04:25+00:00

Fahrleitung und Signale

Fahrleitungsmasten, Quertragwerke und Lichtsignale

Fahrleitungen verschiedener Bauarten und Lichtsig­nale prägen seit Jahrzehnten das Bild der Schweizer Bahnen. Beides wollten wir entsprechend auf un­serer Anlage umsetzen. Aus Kostengründen, und weil es vieles kaum fertig zu kaufen gab, war auch hier weitgehender Selbstbau angesagt.

Während eine Re 6/6 mit einem EuroCity langsam in Ponte Eugenio einfährt, zeigt das Signal Fahrbegriff 5 bzw. 3 für einen Zug der Gegenrichtung. was 95km/h ab hier und 60km/h ab dem näch­sten Hauptsignal bedeutet.

Da die Hauptstrecken der SBB schon sehr früh elektrifiziert wur­den, können sich heute wohl nur noch wenige Schweizer an den Dampfbetrieb erinnern.

Andererseits waren es vor allem die Pionierleistungen bei der Elektrifizierung der Alpenbahnen, welche der Schweizerischen Lokomotive-Industrie seinerzeit zu Weltruhm verhalfen und so legendäre Fahrzeuge wie etwa die “Krokodile” Ce 6/8 oder die mächtigen Ae 8/14 hervor­brachten. Während Jahrzehnten prägten diese Lokomotiven, zusammen mit den später gebauten Ae 4/6, Ae 4/7 und den Ae 6/6 das Bild am Gotthard, während seit den achtziger und neunziger Jahren vor allem Re 4/4 II/ III, Re 6/6 und Re 460 zum Einsatz kommen. Auch auf unserer Anlage stehen all diese Fahrzeuge im Einsatz. Für uns wäre es fast unvorstellbar, diese ohne entsprechende Oberleitung zu betreiben!

Wir entschieden uns zum Nachbau der Masten des Systems Affolter, welche auch heute noch auf vielen SBB-Strecken anzutreffen sind, ins­besondere im Kreis II entlang der Gotthardbahn. Obgleich am Gott­hard mehrheitlich Einzelmasten verwendet wurden, wählten wir aus Stabilitätsgründen im Modell die Variante mit Quertragwerken .

Vorerst ging es darum, die entspre­chenden Quertragwerke herzustel­len. Das Lochprofil aus gestanztem Messingblech bezogen wir von der Firma Hermann. Durch aufschneiden und neu zusammenlöten desselben versuchten wir, die typische, nach aussen zulaufende Form der Quer­träger zu gestalten. Nach einigen mühsamen, gescheiterten Ver­suchen entschlossen wir uns, eine entsprechende Vorlage zu zeich­nen und die seitlichen, vertikalen Quertraversen  ätzen  zu  lassen. Zusammen mit jeweils zwei Loch­profilen oben und unten konnten die Kästen der Quertragwerke aus Messing zusammengelötet werden. In Anbetracht der grossen Anzahl zu erstellender Quertragwerke war die Erstellung einer Lötlehre er­forderlich.

Die typischen Betonsockel bestehen ebenfalls aus Messing, in welche von unten eine Gewindestange eingedreht wurde. Oben wurde mit Araldit der eigentliche Mast aus H-Profil eingegossen. Die Isolatoren und Fahrdrahtausleger bezogen wir als Messingschleudergussteile von Model-Rail in Nendeln (FL). Die wesentlich längeren Quertragwerke innerhalb des Bahnhofbereichs wurden aus unzähligen Einzelteilen von Richi Thuss genau auf Mass gefertigt. Auch die beim  Vorbild so markant auffallenden Lampen mit ihren Aufstiegstritten wurden von uns selbst gebaut. Die Kabel zur Stromversorgung der Birnchen werden durch ein 1mm dünnes Röhrchen unter die Anlage geführt. Selbstverständlich bauten wir auch alle Spezialmasten, so z.B. zur Ab­spannung des Fahrdrahts oder auch die Endmasten, entsprechend dem Vorbild nach.

Mit dem Einbau und dem Spannen der Fahrdrähte möchten wir aller­dings noch warten, da uns diese, zumindest solange wir noch am Gelände arbeiten, doch erheblich behindern würde.

  • Signale und Zubehör

Die ersten SBB-Lichtsignale bezo­gen wir schon vor Jahren von der damaligen Firma Schullern. Sie überzeugten uns durch ihr gutes Preis/ Leistungsverhältnis, obschon die Masse nicht absolut korrekt waren. Da unsere Mittel be­schränkt waren, konnten wir nicht die gesamte erforderliche Stückzahl auf einmal beziehen. Später wurde diese Produktion leider eingestellt, und die Signale waren nur noch vereinzelt aufzutreiben, so dass wir uns nach Alternativen umsehen mussten.

Als vor Jahren Albert Nold zu uns stiess, erklärte er sich spontan bereit, die noch fehlenden Licht­signale für den Bahnhof Ponte Eugenio zu bauen. Im Gegensatz zu den älteren Lichtsignalen mit Mikroglühlämpchen wurden diese mit modernen LED’s bestückt. Albert Nold war so ehrgeizig, dass er versprach, auch die winzigen Abfahrsignale, die jeweils am gleichen Signalmast unter den Hauptsignalen  angeordnet  sind, zu konstruieren und funktions­fähig auszustatten. Diese nun im Bahnhof Ponte Eugenio aufge­stellten Signale sind auch von der Detaillierung her viel schöner und filigraner als die früheren, industriell gefertigten Modelle von Schullern. Zudem entsprechen sie von den Massen her den heute bei den SBB eingesetzten Signalen des Typs L, während Schul­lern noch eine ältere Bauform als Vorbild genommen hatte, die an den grösseren Abschrägungen der Schirmbleche erkennbar ist.

Zwei Signalbrücken, wie sie für die Gotthardbahn und ihre Zu­fahrtsstrecken typisch sind, be­schaften wir von der italienischen Firma Art & Trains, ebenso alle Zwergsignale für den Bahnhof Pon­te Eugenio. Eine gewisse Problematik bestand bei der Wahl der Leuchtdioden. Erst recht spät gab es LED’s im warmen Weisston in den gewünsch­ten Grössen. Wir entschlossen uns zum Zeitpunkt der Beschaffung der Zwergsignale für solche mit gelben LED, zumal deren Lampen beim Vorbild oft ebenfalls eher gelblich als grell weiss leuchten. Heute haben wir ebenfalls von Albert Nold gebaute Zwergsignale mit weissen LED’s im Einsatz.

Für das von uns eingesetzte Steuerungssystem ist die korrekte, fahrwegabhängige Ansteuerung der SBB-Signalbegriffe an Haupt­- und Zwergsignalen fast eine Selbst­verständlichkeit. Daneben haben wir aber auch Spezialitäten wie das Aufleuchten der Abfahrbefehle bei abgefertigten Zügen am Perron, die Ansteuerung kombinierter Signale oder die Signalisierung des Fahr­begriffs 6 für Einfahrten in kurze Gleisabschnitte vorgesehen .

Natürlich gehören zu den Signalen auch die Nachbildung der entspre­chenden Magnete der induktiven Zugsicherung in den Gleisen. Für die Ausstattung aller sichtbaren Haupt­signale auf unserer Anlage mit Zug­sicherungsmagneten sind beinahe 100 Signum – Magnete erforderlich. Weil die am Markt angebotenen Modelle in der benötigten Menge fast unbezahlbar waren, hatten wir uns entschlossen, diese ebenfalls selbst herzustellen; Richi Thuss fräste uns die Teile mit allen Details daran aus Messing.

In der Nähe von Haupt- und Ein­fahrsignalen sind oft auch die typ­ischen, orangen Streckentelefone zu sehen, damit sich das Lokper­sonal bei einer Störung erkun­digen kann. Diese feinen Details fertigte uns Willi Müller zu Hause in seiner Werkstätte.

Auch Kabelkanäle, Verteilerkäs­ten und -Häuschen gehören im weiteren Sinne zu den Signal- und Sicherungsanlagen, und dem auf­merksamen Betrachter entgeht sicher kaum,dass wir diese original­getreu nachgebildet haben.

Komplett im Selbstbau gefertigte Hauptsignale mit Abfahrsignalen des klassischen ‘Typ L’.

Keine Signale ohne Zugsicherng! Eine Serie selbst gefertigter Signum-Gleismagnete liegt zum Spritzen und zum Einbau bereit.

Die Fahrleitungsmasten bestehen aus H-Profilen, geätzten Messing- und Schleudergussteilen. Hier eine Sonderbauart für den Bahnhofbereich

Eine Aufnahme, wie sie in den sechziger Jahren hätte entstanden sein können: Die moder­nen Fahrleitungsmasten Typ Affolter wurden da­mals auf vielen SBB-Stre­cken eingebaut, während die Elektrolokomotiven aus der Elektrifizierungs­zeit wie die Be 6/8 II und III noch immer unentbehr­lich waren im schweren Güterzugdienst.

Epoche III vom Feinsten: Während eine Ae 4/6 mit einem Stückgüterzug einfährt, rangiert links davon eine Ae 3/6 II. Im Hintergrund wartet eine der zum Zeitpunkt noch nagelneuen Ae 6/6.