Landschaftsbau2018-10-16T17:40:09+00:00

Landschaftsbau

Geländebau und Vegetation

Wiesen, Felder und Flussläufe prägen die Landschaft entlang vieler Schweizer Bahnstrecken. Auf Gebirgsbahnen wechseln dichte Wälder an steilen Lagen mit offenen Weidelandschaften und schroffen Felspartien ab. Dies im Modell entsprechend umzusetzen und der Landschaftsgestaltung ihren gebührenden Platz und Stellenwert einzuräumen, war von Anfang an eines unserer erklärten Ziele.

Landwirtschaftlich genutzte Flächen und Wälder prägen die Landschaft entlang vieler Schwei­zer Bahnstrecken. Bewusst haben wir versucht, durch Weglassen von unnötigem Zubehör viel Raum für die Gestaltung einer real­istischen Landschaft freizulassen.

  • Raum für die Landschaft

Schon beim Beginn des Gelän­debaus waren wir uns einig, die Landschaft nicht mit Zubehör überladen zu wollen. Bahn und Umfeld sollten  eine harmonische Einheit bilden. Dabei sollte der Betrachter den Eindruck gewin­nen, dass die Landschaft zuerst da gewesen war und die Bahn in diese hineingebaut wurde.

Dies umzusetzen, heisst vor allem, die Gleisführung so zu planen, dass Raum frei bleiben würde für eine realistische Modellandschaft. Auch wollten wir deren Gestal­tung einen ebenso hohen Stellen­wert wie den anderen Disziplinen des Modell- und Anlagenbaus einräumen.

Häufig werden in Spur 0 herrliche Selbstbaumodelle präsentiert, die bis ins Kleinste detailliert und au­thentisch nachgebildet wurden. Stellt man ein solches Modell in eine Vitrine oder auf einen Tisch, wirkt es für sich. Erst auf einem Diorama oder einer entsprechend gestalteten Anlage kommen sol­che Fahrzeuge aber wirklich zur Geltung. Ein perfekt gebauter und verwitterter Güterzug etwa wirkt viel authentischer, wenn er durch eine ebenso akribisch gestaltete Modelllandschaft fahren kann.

  • Geländebau

 Ohne feste Pläne begannen wir bereits in der Rohbauphase bei der Erstellung der Gleistrassen, die Spanten für das spätere Gelände einzupassen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings ein gutes räum­liches Vorstellungsvermögen. Einige Dinge sind dabei jedoch von der Natur vorgegeben, so z.B.: die maximale Neigung eines Berghangs, die Dicke oder auch die vertretbare Höhe einer Stütz­mauer.

Mit diesen Vorgaben vor Augen, begannen wir den Landschaftsver­lauf festzulegen und gleichzeitig zu planen, wo später Kunstbauten notwenig sein würden. Auch während dieser Bauphase haben wir uns immer wieder an Vor­bildfotos orientiert und Bücher zu Rate gezogen. Ebenso haben wir auch gelernt, uns nicht mit den ersten, teilweise unbefriedigenden Resultaten abzufinden. Manch ein Bauwerk  auf  der  Anlage  gelang erst im zweiten oder sogar im drit­ten Anlauf. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt ja auch aus Fehlern. So erzählten wir heute jedermann ohne Hemmungen, welche Teile wir zwei- oder gar dreimal begon­nen haben.

Sicherlich interessant wäre auch die Frage, warum wir für den Aufbau des Geländes Styropor verwendet haben, obschon die Verwendung von  Fliegengitter weit gebräuchlicher ist.

Wie bereits erwähnt, ist es bei einer Anlage dieser Grösse wich­tig, dass sämtliche Teile stabil und belastbar aufgebaut sind. Dies lässt sich mit Styropor, einen soli­den Rahmenunterbau und stabile Geländespanten vorausgesetzt sehr gut erreichen. Wegen der grossen Anlagetiefe mussten auch viele herausnehmbare Gelän­destücke vorgesehen werden. Diese bestehen jeweils aus einem Kasten mit vier Geländespanten, die ebenfalls mit Styropor auf­gefüllt wurden . Einige kleinere, herausnehmbare  Geländeteile sind sogar ausschliesslich mit Hartschaum-Styropor aufgebaut.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil dieser Bauweise ist die Möglichkeit, die Geländeform schrittweise aufzubauen, zu kon­trollieren und Fehler durch das Zuschneiden oder Ansetzen zu korrigieren.

Dank der Styropor-Bauweise konnten wir später auch die Bäume mühelos einstecken, ohne diese fest zu leimen. Dies geschah in der Gewissheit, dass auch unsere Anlage vermutlich nicht für die Ewigkeit gebaut wurde und so im Falle eines Umzuges zumindest das Material wieder verwendet werden könnte.

Nicht verschweigen wollen wir aber auch, dass diese Bauweise gewisse Nachteile hat. So ähnelten wir, bedingt durch die statische Haftung der Styroporkügelchen während der Aufbauphase vom Gelände, eher Schneemännern denn Modellbauern! Aber mit ei­nem Industriestaubsauger ist die­sem Problem leicht beizukommen.

Anschliessend überzogen wir die vorgeformten Flächen mit einer Gipshaut und färbten diese mit brauner Dispersionsfarbe ein. So langsam aber sicher nahm das Gelände Formen an. Man konnte sich allmählich vorstellen, wie das Ganze später aussehen würde und wir konnten endlich an die Begrü­nung  denken.

  • Gestaltung der Grasflächen

Noch vor 40 Jahren kannte man hauptsächlich nur eingefärbtes Sägemehl oder rudimentäre Mat­ten als Grasimitation. Seitdem hat die Industrie enorme Fortschritte gemacht.

Langezeit waren uns die US­-Modellbahner in Sachen Land­schaftsbau meilenweit voraus. Materialien wie etwa das “Foli­age” von Woodland Scenics oder Belaubungsflocken mit harmon­isch abgestimmten Farbtönen suchte man in den Katalogen der Europäischen Zubehörhersteller vergeblich. In der Zwischenzeit hat sich dies allerdings gewandelt.

Dank Produzenten wie HEKI oder Silflor findet der passionierte Modellbauer heute nahezu alles, was das Herz begehrt.

Während in den USA noch heute das Begrünen mittels Flocken vorherrscht, bevorzugen die meis­ten Europäer die Verwendung von Grasfasern, welche entweder auf einem Trägermaterial aufgebracht sind oder mit einem elektro­statischen Beflockungsgerät auf den Untergrund aufgetragen wer­den.

Welche Methode ist nun aber die bessere? Als Optimum hat  sich für uns letztlich die Kombination beider Varianten herausgestellt.

  • Grasmatten von Silhouette

 Grosse Teile der Anlage haben wir mit den hervorragenden Grasmatten von Silhouette be­grünt. Diese vermitteln mit ihren langen Fasern und ihrer Struktur unseres Erachtens den  Eindruck von Bergwiesen am besten. Silhouette-Matten gibt es unter dem Produktnamen Mininatur entsprechend den Jahreszeiten in verschiedenen Farbtönen. Wir haben uns für den Übergang zwischen Sommer und Herbst entschieden und bevorzugen die Variante Frühherbst. Die praktisch gleichen Matten sind auch unter dem Namen Silfor erhältlich, dort allerdings nur in kleineren Stücken, die eher für HO gedacht sind. Mit dem Einkauf und dem Verlegen der Matten allein ist es aber noch lange nicht getan.

Wenn sie in der Natur gezielt darauf achten, stellen Sie schnell fest, dass es kaum einheitliche Grüntöne gibt. Vielmehr zeigen Wiesen und Grasflächen verschiedenste Varianten von Schattierun­gen und sind oft auch von subtilen Brauntönen durchzogen, welche natürlich je nach Jahreszeit variie­ren. So haben auch wir unsere Grasmatten mit der Spritzpistole oder mit dem Pinsel den Farben der Natur angepasst.

Zur Imitation von Unkraut oder auch Blumen kann man auf die Fläche einen Hauch andersfarbiger Flocken aufstreuen – allerdings ist dies sehr vorsichtig zu dosieren und noch einmal weisen wir da­rauf hin, dass auch in diesem Fall die Verwendung von guten Land­schaftsfotos sehr hilfreich ist.

Eine gewisse Problematik beider Verwendung von Grasmat­ten besteht in der geschickten Kaschierung der oft sichtbaren Übergänge, speziell, wenn Matten verschiedener Grüntöne anein­ander stossen. In der Natur sind die Grenzen von Farbton zum nächsten praktisch immer flies­send, es sei denn eine Parzelle mit gepflegtem Rasen stosse direkt an eine ungemähte Naturwiese. Selb­stverständlich kann auch ein Bach oder eine Strasse eine natürliche Begrenzung darstellen. Stossen jedoch verschiedene Wiesen an­einander, sollten die Matten mit einem unregelmässigen Verlauf zugeschnitten, oder sanft gezupft werden.

Vielfach findet man auch Wildwuchs in Form von Sträuchern, Büschen und Unkraut an den Rän­dern von Wiesen . Dieses imitieren wir mit sehr feinen Flocken oder mit Silflor-Belaubungsmaterial, auf welchem sogar eine Art Blätterimi­tation aufgebracht ist.

Eine noch überzeugendere Wir­kung kann durch eine partielle Nachbeflockung der verlegten Grasmatten mit einem elektro­statischen Beflockungsgerät er­zielt werden, so paradox dies viel­leicht im ersten Moment klingen mag. Mit dieser Methode können auch die Übergänge kaschiert und beliebige Schattierungen erzeugt werden. Dazu wird Sprühkleber auf die Matten aufgetragen und anschliessend verschiedenfarbige Fasern mit dem Beflockungsgerät statisch ‘aufgeschossen ‘. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen bis man vom Ergeb­nis überzeugt ist.

  • Idealer Sprühkleber

Bei vielen Anwendungen, so zum Beispiel beim Begrasen oder auch beim Beflocken des Baummaterials verwenden wir anstelle des teuren Sprühkle­bers den wesentlich preis­werteren “Dispersionsgrund” aus dem Baumarkt. Er ist sehr dünnflüssig und lässt sich mit­tels einer Handsprühflasche fein dosiert auftragen. Seine Haftwirkung ist besser als etwa verdünnter Weissleim. Auch lässt er sich sehr fein dosiert aufsprühen und wird nach dem Trocknen völlig matt und transparent. Sie finden dieses Produkt bei den Dispersionsfarben im Bau­markt.

  • Elektrostatische  Befleckung

Das erwähnte Beflockungsgerät der Firma HEKI verwenden wir erst seit zirka zehn Jahren. Ein Vorteil dieser  Begrünungsmethode  ist der günstige Materialpreis. Sie setzt aber voraus, dass man ein gutes Auge für die Harmonie der Farben hat und es ist keinesfalls damit getan, eine grosse Fläche mit einer Schicht Wiesengrün zu überziehen .Vielmehr bietet diese  Methode die Möglichkeit, verschiedene Farbtöne zu mischen und auch mehrere Schichten der Fasern übereinander aufzutragen. Erst dadurch entstehen überzeugende Wiesenflächen, deren Schattierun­gen wesentlich zur Authentizität beitragen.

Wir bevorzugen Farbtöne wie Wiesengrün, Moorboden oder aber Wildgras, teilweise  wurde auch dezent “Wintergras ” zum Abtönen verwendet. Auch die etwa entlang von Wegen, Zäunen und Böschungen verdorrten Gras­büschel lassen sich mit diesem gräulich-ockerfarbenen Material darstellen und wirken sehr typisch, speziell für die Jahreszeiten des Hoch- und Spätsommers .

Um einzelne Grasbüschel zu imi­tieren, zupft man, nachdem man eine zweite Schicht Fasern aufge­tragen hat, gezielt wieder einzelne Büschel mit einer Pinzette heraus, solange der Kleber noch nicht ab­gebunden hat. Schliesslich können auch hier Unkraut oder Blumen an­gedeutet werden, indem in einem weiteren Arbeitsgang fein dosierte Flocken aufgetragen werden.

Natürlich ist diese Methode recht zeitaufwändig, aber das Ergebnis rechtfertigt doch die Mühe. Real­istischer Landschaftsbau bedeutet stets auch, viel Geduld für die Detail- und Handarbeit aufzu­bringen. Erst die Summe gekonnt inszenierter Details lässt am Ende eine Landschaft wirklich stimmig und authentisch wirken.

Ob nun den Grasmatten von Sil­houette oder der elektrostatischen Methode mit Grasfasern der Vorzug gegeben werden soll, kann nicht pauschal  gesagt  werden. Die Matten von Silhouette er­möglichen, grosse Flächen relativ rationell zu begrünen und sind von der optischen Wirkung her, etwas Nachbehandlung vorausgesetzt, praktisch unerreicht. Die Methode mit der elektrostatischen Beflock­ung dagegen lässt mehr kreative Freiräume. Sie ist aber aufwän­diger, wenn man vergleichbare Resultate anstrebt.

Letztlich wird man beim Betrachten der Bilder aber kaum feststellen können, wo mit welchem System gearbeitet wurde. Nun, so soll es auch sein!

  • Flaschenputzer sind passe

 Natürlich fahren unsere Züge nicht nur durch kahle Wiesen. Für unsere Breitengrade geradezu typisch ist die dichte Vegetation mit einer grossen Zahl von verschiedenen Baumarten . Auch ent­lang der Schweizer Bahnstrecken stehen fast überall Bäume und Büsche jeder Gattung und Grösse, und Gebirgsbahnen führen häufig durch dichte Nadelwälder.

Während wir für die Darstellung von niedrigem Gebüsch schon bald recht ansprechende Mate­rialen fanden, suchten wir über Jahre hinweg nach einer Möglichkeit, Nadelbäume in grösseren Stückzahlen rationell herzustellen, etwas, wonach die unzähligen Modellbahner sicher schon zuvor gesucht haben. Das Dilemma ist dabei, dass die preiswerten, in­dustriell gefertigten Nadelbäume optisch kaum befriedigen kön­nen, während die schönen, in Handarbeit gefertigten Bäume, beispielsweise von Silhouette, fast unbezahlbar sind.

Die anfänglich beschafften Tan­nen und Fichten dieses Herstell­ers blieben bei einem Stückpreis von 200.- bis 400.- Franken auch absolute Highlights und Einzel­exemplare auf unserer Anlage.

Mit der Gestaltung von eigentli­chen Waldpartien  konnten  wir erst beginnen, als wir Rudolf Han­selmann aus Rorschacherberg mit seinen preiswerten, aber dennoch sehr naturgetreuen Nadelbäumen kennen lernten. Das Geniale an diesen ist, dass sie aus relativ bil­ligem Rohmaterial bestehen, fertig gebaut aber dennoch äusserst re­alistisch wirken.

Ähnlich der Bauweise von Silhou­ette werden vorerst die Stämme mittels verdrilltem  Draht gefertigt und mit einer Baumrinden-Imita­tion versehen. An den herausste­henden Ästen werden Zweige aus entsprechend zugeschnittenen Stückchen aus feinem Vogel­schutznetz angebracht. Dabei werden auch die Äste in ihre natürliche, gebogene Form ge­bracht und die herabhängenden Zweige bei Bedarf noch etwas zurechtgestutzt.

Schliesslich wird der ganze Baum mit graubrauner Farbe grundiert. Nach  dem  Trocknen  werden  die Äste  mit    einer   Mischung   aus dunkelgrünen Grasfasern beflockt. Hier sind allenfalls auch zwei Ar­beitsgänge notwendig. Durch das Variieren der Farbtöne können auch problemlos andere Nadel­bäume wie etwa Lärchen gefertigt werden.

Um ausgewachsene Tannen  in Spur 0 darstellen zu können, sind schon rund 40cm hohe Exemplare erforderlich. An Hanglangen und in Wäldern haben wir auch Hochstammfichten eingesetzt, die in der erforderlichen Höhe mit etwas weniger Aufwand herzustellen sind.

Die nach dieser Methode erstellten Bäume erreichen sicher nicht ganz den Standard jener von Silhouette, kommen diesen aber, bei einem Stückpreis von bl0ss einem Bruch­teil davon für das Fertigmodell doch recht nahe.

Natürlich hätten wir die Nadel­bäume nach der Methode von Rudolf Hanselmann ohne weiteres auch selber herstellen können. Der immense Zeitaufwand dafür und der Wunsch, uns stattdessen anderen Aufgaben zuwenden zu können, bewogen uns aber, die Tannen als Fertigprodukte zu beziehen.

  • Laubbäume und Büsche

 Industriell  gefertigte  Laub­bäume gibt es auch für Spur 0 zu erschwinglichen Preisen. Bei Hanglangen und entsprechend dichter Bepflanzung können teil­weise auch blass 20-25cm hohe HO-Bäume verwendet werden ohne dass sie auffallen. Oft lohnt es sich, diese mit feinen Flocken etwas nachzubehandeln oder zumindest die glänzenden  Stämme in einem  matten, dunklen  Grau-braun einzufärben.

Für die Darstellung von Boden­wuchs und Gebüsch verwenden wir verschiedene Methoden. Da gibt es einerseits die hervor­ragenden Blattwerkimitationen von Silhouette, welche wir zur Darstellung einzelner Büsche und Rabatten (oder auch des Kartoffel­ackers) verwendet haben.

Sollen allerdings grössere Flächen mit Wildwuchs imitiert werden, greifen wir auf ein bei uns prak­tisch unbekanntes Produkt von Woodland Scenics zurück . Oder haben sie schon gewusst, wofür Polyfiber verwendet wird?

Die grün eingefärbte Watte ist ein ideales Trägermaterial für Büsche oder auch Laub von Bäumen. Dieses wird mit Kontaktkleber oder Weissleim auf der Grund­fläche aufgebracht. Ist der Leim erst einmal ausgehärtet, kann man das Material in jede beliebige Form zupfen – sei es in die Breite oder Höhe -je nachdem, was man darstellen will.

Nun wird das Trägermaterial mit Dispersionsbinder eingesprüht, um darauf nach Belieben mit Turf von Woodland Scenics oder den verschiedenen Heki-Flocken bestreut zu werden.

Falls blühende Büsche gewünscht werden, streut man in einem zweiten Arbeitsgang einfach zu­sätzlich eingefärbte  Flocken auf.

Schon sind Buschwindröschen oder blühende Brombeersträucher fertig! Alternativ dazu gibt es natürlich auch das hervorragende Be­laubungsvlies von Heki. Dessen Laubstruktur ist im Vergleich zum bekannten Foliage von Woodland Scenics ausgeprägter und die Far­ben wirken harmonischer – aller­dings gibt es das Material bloss in drei relativ grob abgestuften Grüntönen. Es lässt sich jedoch sehr gut mit den Produkten der anderen Hersteller kombinieren oder auch mit der Spritzpistole farblich verändern.

Büsche und kleinere Bäume  bis zu einer Vorbildhöhe von 4 Me­tern stellen wir mittels Seemoos dar. Dabei handelt es sich um ein Naturprodukt mit einer sehr feinen Zweigstruktur.

Wir versuchten, dieses Material in der gewünschten Grösse im Fach­bedarf für Floristen zu bekommen, leider ohne Erfolg. Es gibt jedoch verschiedene Hersteller im Modellbahnfachhandel, welche das Roh­material mittlerweile anbieten.

Die einzelnen Dolden wurden, nachdem sie farblich vorbehandelt und in der  Form zurechtgestutzt waren, ebenfalls mit Dispersions­binder besprüht und mit Schaum­stoffflocken bestreut. Eine sehr gute Wirkung ergibt sich, wenn man das Material vorerst mit et­was dunkleren und danach mit leicht(!) helleren   Belaubungs­flocken behandelt.

Die fertigen Büsche wurden danach direkt in die Oberfläche eingesteckt und verleimt. Bei ent­sprechender Grösse der Büschel lassen sich damit auch zusammen­hängende Waldstücke, speziell bei ansteigendem Terrain überzeu­gend darstellen.

  • Felsen aus Gips

 Landschaftsbau in Spur 0 heisst vor allem, dass gegenüber den kleineren Nenngrössen wesentlich grössere Flächen durchgestaltet werden müssen.

Auf der Suche nach einer rationel­len und doch viel versprechenden Methode zur Gestaltung von Felsen liessen wir uns von den Modellbahnern in den USA inspirieren. Die aus abgegossenen Gesteinsstücken gestalteten Fels­partien etwa auf der Anlage von Malcom Furlow mit ihren beein­druckenden Schluchten waren an Authentizität kaum zu überbieten. Und wer sollte sich besser mit dem Bau von Felsen auskennen als die Amerikaner mit ihren zahlreichen Canyons und Schluchten ?

Im Programm  von Woodland Scenics fanden wir die passenden Giessformen, mit welchen sich sehr schön strukturierte Felsstücke aus Gips herstellen liessen. Auch grössere Mengen Gesteinsmateri­al liessen sich auf diese Weise sehr einfach und rationell erzeugen.

Die Kunst bei dieser Methode lag im zusammenfügen der Gipsteile zu einem harmonischen Ganzen. Auf den entsprechend vorbere­iteten Untergrund wurde Gips ebenfalls als Klebematerial aufge­tragen, in welchen die gegossenen Felsstücke eingedrückt werden konnten. Die Zwischenräume wur­den verspachtelt und der Struktur der Felsen angepasst.

Wenn man die benötigten Felsstücke laufend produziert und diese noch im halbharten Zustand sorgfältig aus der Form herauslöst, können diese auch mit einem Messer noch etwas zugeschnitten werden. Dass wir sämtliche Fels­partien auf der Anlage bloss mit den relativ wenigen Gussformen von Woodland gestalteten, würde kaum ein Betrachter vermuten.

Bei der Gestaltung von Fels­landschaften ist etwas Planung sinnvoll. So sollte man sich bereits bei der Gestaltung der Gelän­dehaut überlegen, wie steil und hoch die Felsformationen werden sollen. Auch wenn es im Hochge­birge durchaus hohe, senkrecht verlaufende Felswände gibt, sind etwas weniger steile Felsformationen mit dazwischen liegenden Absätzen doch weit charakteris­tischer für Gebirgslandschaften entlang der Alpenbahnen. Die Felsen verlaufen praktisch im­mer auch in einer bestimmten Richtung, wobei zwischen diesen oft kurze, flachere Grasbänder mit mehr oder weniger dichter Vegetation zu finden sind, die im Modell sehr schöne Gestal­tungsmöglichkeiten bieten.

Auf flachen Abschnitten unterhalb der Felsen findet man meist auch Geröll und loses Gestein,das zum realistischen Aussehen beiträgt.

Die Farbgebung erfolgte auf gleiche Weise wie bei den Kunst­bauten mit dem Pinsel und der Spritzpistole. Felsen und Stütz­mauern sollten farblich aufein­ander abgestimmt sein, zumal beim Bahnbau das Gesteins­material ja oft an Ort und Stelle gebrochen  wurde.

Die Geländekontur der Landschaft wurde mit der Styroporbauweise erstellt. Diese erlaubte, den Ver­lauf schrittweise aufzubauen, zu begutachten und wo notwendig zu korrigieren

Fast wie echt: Mit den heutigen Landschaftsmaterialien lässt sich praktisch jede Art von Vegetation darstellen. Auch zwischen den Felsen wachsen Gras und dichtes Gestrüpp.

Diese Sommerwiesen mit hohem Gras wurden mit verschiedenen Matten von Silhouette und Heki gestaltet. Beachten Sie auch die Wirkung der wenigen, realistisch grossen Bäume.

Diese Vorbildaufnahmen zeigen, wie die Farbtöne bei Wiesen im Hochsommer und Frühherbst variieren können. Typisch sind dabei die ockerfarbenen, verdörrten Grasbüschel entlang von Bahnstrecken (oben) oder an Böschungen (mitte). Häufig stellen auch ein Weg, ein Zaum oder ein Bach eine natürliche Begrenzung zwischen verschiedenen Wiesen dar. (unten)

Bereits einige wenige, in Gruppen gepflanzte grosse Tannen bringen Gebirgsbahnatmosphäre. Die Ae 4/7 fährt mit einem Regionalzug bergwärts.

Nadelbäume von Rudolf Hanselmann: Recht zwei Bäume im rohen, noch unbeflockten Stadium, links die fertigen Tannen.

Auf der Schmalspurstrecke ist das RhB-Krokodil mit einem Stückgüterzug unterwegs. Beachten Sie das Grössenverhältnis der Bäume zum Zug.

Mit Seemoos lassen sich sehr filigran wirkende Büsche und auch kleinere Bäume darstellen. Der See entstand unter Verwendung von Giessharz auf Acrylbasis (Heki)

Eine Ge 6/6 411 passiert diese kleine Brücke. Diese entstand aus Heki-Mauerplatten, die Büsche aus Seemoos, während die Sträucher mit den roten Blüten mit PolyFiber von Woodland Scenics gestaltet wurden.

Der Re 4/4 1 – Regionalzug passiert diese mächtigen Felswände, bevor er in einem Tunnel verschwindet. Der Einschnitt im Hintergrund vermittelt den Eindruck, dass der Fels beim Bau des Bahntrasses tatsächlich erst herausgesprengt und abgetragen werden musste.

Mit sichtbarer Kraftentfaltung verlässt die B 3/4 mit dem historischen Gotthardbahn-Schnellzug einen
Kehrtunnel. Hoffentlich sind alle Fenster im Zug rechtzeitig vor der Einfahrt in den Tunnel geschlossen worden!

Die Ae 6/6 hat soeben diesen kurzen Felssporn durchfahren und strebt weiter bergwärts. Grasbänder zwischen den Felsen und dichte Vegetation selbst an steiler Hanglagen sind typisch für die Landschaft am Gotthard.

Natürliche Übergänge zwischen Vegetationszonen durch Zäune, Wege etc.

Felsen und Stützmauern sollten die Realität darstellen. Ein Blick in die freie Natur kann dem Modellbahner nützlicher Erkenntnisse bringen.